Was die sozialen Medien aus uns machen?

Posted: September 30, 2019 by Pflegeflow

Meine Freundin macht eine Weltreise. Bevor sie sich auf den Weg machte, hatten wir einen sehr engen Kontakt. Wir haben geschrieben, telefoniert, uns getroffen. Wir haben uns ausgetauscht und über Probleme gesprochen, waren immer füreinander da.

Seitdem sie weg ist, ist es anders. Warum?

Auf Instagram kann ich sehen wo sie ist, was sie macht, wie es ihr geht.

Am Abend auf dem Sofa, mal schnell die Story gecheckt.

Bis sie vergangene Woche geäußert hat, das sie sich „vernachlässigt“ fühlt, das es nicht mehr so ist wie früher.

Und ja, sie hat so Recht!

Dadurch, das wir immer sehen was der andere macht und tut, haben wir keinen Redebedarf mehr. Zumindest suggeriert mir das mein Kopf.

„Was soll ich sie noch fragen, wenn ich doch sowieso schon weiß wie es ihr geht?“

Und das ist traurig. Ich musste lange darüber nachdenken und mich fragen.

„Was haben die sozialen Netzwerke mit mir gemacht?“

Und vor allem
„wieviel Zeit nehmen sie in meinem Leben eigentlich ein?“

Nehmen wir das Beispiel Instagram.

Der Algorithmus gibt uns vor, was wir tun sollen. Interaktion! Sonst läufts nicht.

Also bestreitest du deinen Alltag, hast vielleicht ein bisschen Zeit für Ausreißer aus dem Alltag und kümmerst dich um den Algorithmus.

Und der frisst ne Menge Zeit. Und da du ja niemanden verletzen möchtest, beantwortest du die Fragen der User, stehst in regen Austausch mit deiner Community.

Du hast xx Nachrichten in deinem Postfach, alle kannst du gar nicht beantworten und viele, gehen unter. Im Sumpf der Spams und Pornobildchen, zwischen dem Austausch mit deinen Followern.

Ich entdecke manchmal Nachrichten, die schon einige Wochen alt sind. Entweder wurden sie im Verborgenen gehalten oder sie wurden mir wirklich nicht angezeigt.

Und mal ehrlich, jeder der eine Message verbreiten will, freut sich über eine wachsende Community. Denn umso größer die Reichweite, umso mehr Menschen kannst du von deiner Mission erzählen.

Und in diesem ganzen Tun.. denke ich oft an meine Freundin. Sehr oft, weil sie mir fehlt! Weil wir sehr eng miteinander waren.

Ein Klick genügt..meine Sehnsucht wurde für einen Augenblick gestillt.

Und wenn ich von anderen gefragt werde, wie es ihr denn ginge…

„Ach gut, sie ist gerade in China und hatte erst gestern eine tolle Begegnung mit Einheimischen. Das habe ich auf Insta gesehen“


Merkt ihr was? Das www ist so machtvoll, die sozialen Medien sind so machtvoll, sie können uns einnehmen, ohne das wir es bewusst merken. Sie können uns beeinflussen (und damit meine ich nicht unter Kaufverhalten) und uns auch lenken. Und wir lassen es oft unbewusst zu.

Und das dürfen wir nicht!

Ich danke meiner Freundin das sie mir die Augen geöffnet hat, das sie gemerkt hat, wie weit wir voneinander entfernt sind. Nicht nur räumlich sondern auch emotional.

Wir dürfen uns von diesem www nicht manipulieren lassen, nicht so! Nicht wenn es um unsere liebsten geht!

Wie geht es Euch damit? Was denkt ihr?

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